15.06.2011

Denglisch – Imponieren oder informieren?

Auf das richtige Wording kommt es an. In Marketing und PR, aber auch im Alltag macht sich der Einfluss der englischen Sprache in den letzten Jahren immer stärker bemerkbar.

 

Ein Kritiker sagt dazu: "Das 'denglische' Imponiergefasel einiger 'Business-People' heißt vor allem, die Dinge nicht beim Namen zu nennen." Diese Aussage ist zwar provokant, trägt aber Wahrheit in sich. Geschäftsgespräche sind oft übersät von englischen Begriffen und Floskeln, um das Gegenüber mit vermeintlicher „Fachsprache“ zu überzeugen. Ist man „unter sich“ mag das in Ordnung sein. Sitzt aber ein Fachfremder am Tisch, geht der Schuss nach hinten los. Der Effekt ist nicht Bewunderung, sondern Verwirrung – zugegeben, auch eine mögliche Verkaufstaktik …

Englischversessen und sprachvergessen?
Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist kein Plädoyer für ein Reinheitsgebot der deutschen Sprache, denn die Verwendung von Anglizismen ist nicht nur negativ zu sehen. Wie erklärt man beispielsweise die Worte „Marketing“ oder „Software“ treffend mit einem einzigen deutschen Begriff? Seit es die deutsche Sprache gibt, unterliegt sie den Einflüssen anderer Sprachen, denen sie etliche Wörter entlehnt hat. Sie lebt davon. Im Zuge der Globalisierung und Internationalisierung ist es auch durchaus von Vorteil, wenn sich einheitliche Formulierungen einbürgern – jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Während es früher Fremdworte – zumeist Substantive – waren, die aus dem Englischen übernommen wurden, sind es heute auch englische Verben und Adjektive. Es entstehen Wortschöpfungen und Redewendungen, die sich am besten als Kauderwelsch beschreiben lassen.

Englische Werbesprüche sind Trumpf – ein Trugschluss!
Man könnte jetzt argumentieren: Gerade in der Werbung ist alles erlaubt und Imponieren ist eine Verkaufsstrategie. Englisch klingt es eben einfach cooler und verkauft besser. Weit gefehlt. Studien haben gezeigt, dass Werbung in unserem Land auf Deutsch wesentlich besser ankommt als auf Englisch. Claims wie „Come in and find out“ (komm rein und finde wieder raus?!) führen zu Konfusion, wohingegen Sprüche wie „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ starke positive Reaktionen auslösen. Dennoch wird die Bäckerei mittlerweile immer häufiger zum Back-Shop umbenannt. Es ist eben einfach stylischer.

Ganz gleich, ob es moderner, sexier oder kompetenter klingt, zuviel Denglisch geht oft auf Kosten der Verständlichkeit und birgt Übersetzungsfallen. Wieso wurde der Flug gecancelt und nicht abgesagt? Wir diskutieren darüber, ob es gedownloadet oder downgeloadet heißt. Herunterladen würde das Problem lösen. Ziele werden zu Goals; Unternehmen zu Companys; Berater zu Consultants, die dem Endkunden Support geben müssen, weil er am Schluss nur noch Railway Station versteht.

Geschäftsgespräche sind das eine, Werbung für den Endkunden ist das andere – aber eines haben sie beide gemeinsam: Möglichst viel Denglisch spricht nicht für Kompetenz, sondern führt oft zu Missverständnissen und perlt zwangsläufig beim Gegenüber ab. Und die meisten Begriffe lassen sich auch auf Deutsch hervorragend ausdrücken. Daher sollten Marketingspezialisten darüber nachdenken, wieder häufiger auf ihre gute alte Muttersprache zurückgreifen. Denn wenn wir unsere Aussagen beim Namen nennen, anstatt sie zu verhüllen, dann erreichen wir … wie sagt man noch gleich … ein Maximum an Awareness!

Ulrike Peter